Long Covid. Was man bislang weiß …

Vorneweg

Ja, noch ein COVID-Thema. Aber das muss auch sein, alleine aus Balint-Gruppen-Gründen, weil mich da auch die mediale Kommunikation dazu so wahnsinnig aufregt. Allerdings besteht die große Gefahr, dass ich mich hiermit dann endgültig in die Nesseln setze und mein eigener confirmation bias zuschlägt. Das wird wieder mal ein etwas längerer Beitrag mit so Unterkapiteln, so dass ich auch zwischendurch Literaturangaben platzieren werde.

Long Covid, was ist das eigentlich?

Der Begriff Long Covid stammt offenbar nicht aus dem medizinischen oder naturwissenschaftlichen Bereich, sondern wurde von Menschen, die nach einer COVID19-Infektion unter anhaltenden Beschwerden litten, selber gewählt und hat sich über die sozialen Medien rasant verbreitet und es so in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Long Covid-Definition

Eine anerkannte Definition von Long Covid oder Post-Covid existiert bislang nicht. Was das ungefähr ist, ist uns allen irgendwie unausgesprochen klar, aber genau das scheint das Problem zu sein: Jeder verbindet dann im Konkreten etwas anderes damit. Gemeint sind nach einer COVID-Infektion anhaltende Beschwerden, wobei die häufigsten eine anhaltende Müdigkeit (Fatigue), ein anhaltendes Krankheitsgefühl, trockener Husten, Kopfschmerzen und ein anhaltender Geruchs- und Geschmacksverlust sind. Problematisch wird es bei der Definition, ab wann nach einer Infektion man von anhaltenden COVID-Beschwerden spricht (üblich scheinen Definitionen von 1-2 Wochen nach Infektion bis 4 Wochen nach Infektion zu sein) und wie lange Betroffene ein Symptom nicht mehr berichten müssen, bis es als überstanden gilt. Hier unterscheiden sich die hier vorgestellten Studien teils erheblich. Die Anzahl der Veröffentlichungen zu dem Thema ist monströs, die Qualität der Arbeiten oft eher so mittel, vieles sind noch Preprints ohne abgeschlossenen Peer Review-Prozess.

Mediale Rezeption

Das ganze Thema ist politisch extrem aufgeladen und wird teilweise – in meiner Wahrnehmung auch instrumentalisiert um jeweilige Standpunkte oder Forderungen zu untermauern:

„Das ist also sehr, sehr besorgniserregend, dass es in die jüngeren Altersklassen geht, und da gibt es ja natürlich dann auch eine Long-COVID, etwas, was halt immer wieder betont wird, aber offenbar nicht stark genug betont wird. Das heißt, die Leute gehen in die Intensivstation rein, kommen da lebendig auch wieder raus, aber nie wieder so, wie es vorher gewesen ist, und haben oftmals monatelang damit noch zu kämpfen, mit den Folgen.“

Sagt zum Beispiel Dirk Brockmann, der Physiker ist und für das Robert Koch Institut Modelle zur Infektionsdynamik von SARS-CoV2 entwickelt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk (Link). Auf Twitter tritt er recht offensiv für die NoCovid-Initative ein (Link)

Dabei werden meistens irgendwelche Häufigkeiten zitiert, die aber häufig divergent sind und bei denen die Quelle unklar bleibt, wie hier:

Journal Club

Das alles macht es schwierig, einen guten Überblick zu bekommen.

Dem normalen Recherche-Prozess folgend würde man erst mal schauen, ob es Metaanalysen zu dem Thema gibt, da diese die beste wissenschaftliche Aussagekraft versprechen. Nachdem hier vor kurzem noch gar nichts zu finden war, gibt es jetzt eine Metaanalyse zu Long Covid-Symptomen bei Krankenhauspatienten, sowie eine weitere, die auch leichte Verlaufsformen berücksichtigt, die aber bislang nur als Preprint existiert.

In Thorax veröffentlichte Studie mit Krankenhauspatienten

Mandal, S., Barnett, J., Brill, S. E., Brown, J. S., Denneny, E. K., Hare, S. S., Heightman, M., Hillman, T. E., Jacob, J., Jarvis, H. C., Lipman, M. C. I., Naidu, S. B., Nair, A., Porter, J. C., Tomlinson, G. S., & Hurst, J. R. (2021). ‘Long-COVID’: a cross-sectional study of persisting symptoms, biomarker and imaging abnormalities following hospitalisation for COVID-19. Thorax, 76(4), 396–398. https://doi.org/10.1136/thoraxjnl-2020-215818

Das ist eine Arbeit aus London, welche sich auf Patienten bezieht, die auf Grund einer COVID19-Infektion stationär behandelt werden mussten und eine der ersten zu dem Thema. Dies ist in so fern wichtig, da gleich auch noch Arbeiten kommen, wo es explizit um Menschen geht, die nicht stationär behandelt werden mussten oder eine Mischung beider Patientenkollektive vorliegt. Naturgemäß muss man bei hospitalisierten Patienten von einem schweren COIVD19-Verlauf ausgehen, sonst wären sie ja nicht in stationärer Behandlung. In der Londoner Arbeit wurden 385 Patienten untersucht, das mittlere Alter lag ziemlich genau bei 60 Jahren, 62% waren Männer (also typische COVID19-Krankenhauspatienten). Von diesen Patienten hatten 42% einen Bluthochdruck, 27% einen Diabetes mellitus, 17,5% ein Asthma bronchiale oder eine COPD. Es gab eine Untersuchung bei Einschluss in die Studie und ein Follow Up, welches nach 60-90 Tagen durchgeführt worden scheint (das wird nirgends klar benannt). Berichtet wurden v.a. die Kernsymptome Kurzluftigkeit, anhaltender Husten, Erschöpfung (Fatigue) und verminderte Schlafqualität. Knapp 60% der Betroffenen (die genaue Prozentzahl schwankt etwas, je nachdem, ob die Patienten nur Sauerstoff benötigten, eine CPAP-Beatmung oder eine Intubation) litten bei Einschluss in die Studie (also in der akuten Infektion) unter Kurzluftigkeit, gute 35% unter Husten, um die 70% an einer starken Erschöpfung und zwischen 61 und 77% an einer schlechten Schlafqualität. Bis zum Follow Up kam es bei allen vier Symptomen zu einer deutlichen Besserung und einer Abnahme der Intensität der Beschwerden, am eindrücklichsten bei der Atemnot (81% gaben eine Besserung an), ebenso bei Husten (75% Besserung) und Erschöpfung (80% Besserung), nur bei der verminderten Schlafqualität gaben nur 66% eine Besserung an. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass von den stationär behandelten Patienten mit COVID19 19% keine Besserung der Luftnot, 24% keine Besserung des Hustens, 18,5% keine Besserung der Müdigkeit und 30% keine Besserung des Schlafes innerhalb von 60-90 Tagen verspürten.

Die eine Metaanalyse zu Krankenhauspatienten

Cares-Marambio, K., Montenegro-Jiménez, Y., Torres-Castro, R., Vera-Uribe, R., Torralba, Y., Alsina-Restoy, X., Vasconcello-Castillo, L., & Vilaró, J. (2021). Prevalence of potential respiratory symptoms in survivors of 70% und hospital admission after coronavirus disease 2019 (COVID-19): A systematic review and meta-analysis. Chronic Respiratory Disease, 18, 147997312110022. https://doi.org/10.1177/14799731211002240

Die derzeit einzig verfügbare Metaanalyse zu diesem Patientenkollektiv hat insgesamt 10 Studien berücksichtig, u.a. die gerade zitierte von Mandal et al. Die Arbeit ist deutlich schlechter lesbar, da umständlicher in ihren Formulierungen und Aussagen. Sie ist aber wichtig, da die gerade zitierten Prozentangaben von Mandal et al. hier immer am oberen Ende der Häufigkeiten zu sein scheinen. So hatten über alle in der Metaanalyse berücksichtigten Studien hinweg 37% der Patienten Luftnot (statt 60%), 14% Husten statt 35%, 52% eine vermehrte Erschöpfbarkeit statt 70%. Vorbestehende Atemwegserkrankungen lagen bei ca. 10 % der Patienten vor. Prinzipiell ließ sich die – erwartbare – Kausalität je schwerer der Krankheitsverlauf, desto schwerer die postinfektiösen Symptome beobachten, wobei dies weniger für Schlafstörungen und Erschöpfbarkeit gilt. Die Autoren schreiben hierzu:

„The symptoms have a multifactorial origin. Their perception is due to organic component; however, their presence is also related to psychological and mental health factors. Thus, it is essential to consider the mental health of patients. D’Cruz et al. founded a post-traumatic stress disorder, anxiety and depression in 25, 22 and 18% of patients 2 months after severe COVID-19 pneumonia, respectively. These findings were confirmed by Huang et al., who described the same mental health disorders in addition to sleep difficulties in a 6-month follow-up.“

Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten und noch berufstätig waren, konnten im Schnitt nur zu 46% nach 3 Monaten wieder zur Arbeit zurückkehren. Dies klingt erst mal beeindruckend wenig, das sind aber 10% mehr als in Metaanalysen zu Patienten die auf der Intensivstation auf Grund anderer Erkrankungen behandelt wurden (vgl. Kamdar, B. B., Suri, R., Suchyta, M. R., Digrande, K. F., Sherwood, K. D., Colantuoni, E., Dinglas, V. D., Needham, D. M., & Hopkins, R. O. (2020). Return to work after critical illness: a systematic review and meta-analysis. Thorax, 75(1), 17–27. https://doi.org/10.1136/thoraxjnl-2019-213803).

Zwischenruf: Was ich bei stationär behandelten COVID-Patienten mit schwerem Verlauf unbedingt ergänzen wollte

In der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation behandeln wir seit letztem Frühsommer naturgemäß relativ viele COVID-Patienten mit schwerem, intensivpflichtigen Verlauf. Prinzipiell werden die meisten von ihnen auf Grund der Diagnose einer critical illness Polyneuropathie, bzw. critical illness Myopathie (CIP/CIM) in die Frührehabilitation übernommen. Die CIP/CIM wird übrigens mein nächstes „normales“ Blogthema (Link). Generell gelten CIP/CIM-Patienten zumindest inoffiziell als „unkomplizierte“ und relativ dankbare Frühreha-Patienten, da bei den allermeisten in recht überschaubarer Zeit ein guter Reha-Erfolg zu erzielen ist. Und von den CIP/CIM-Patienten gelten COVID-CIP/CIM-Patienten oft noch mehr als „Selbstläufer“, vermutlich da sie nicht so multimorbide vorerkrankt sind, wie die „normalen“ CIP/CIM-Patienten und so der Rehabilitationsverlauf durch weniger Komplikationen verkompliziert wird. Die CIP/CIM taucht in der typischen Post-Covid-Symptomsammlung gar nicht auf und es gibt laut der eben zitierten Metaanalyse keine dezidierten Studien zu CIP/CIM bei COVID-Patienten. Von nicht-COVID-Patienten ist bekannt, dass eine CIP/CIM (in verschiedenen Schweregraden) bei 25-57% aller stationär intensivmedizinischen Patienten auftritt, abhängig von der schwere des Krankheitsverlaufes, der stationären Behandlungsdauer und der Länge einer ggfs. notwendigen Beatmung.

Was jetzt im aktuellen Hamburger Ärzteblatt (S. 32-33, Link) als Fallbeschreibung aus der Asklepios Klinik Altona veröffentlicht wurde, ist ein Fall einer schweren Gallenwegserkrankung, einer sekundär sklerosierenden Cholangitis (Link Wikipedia), nach einer schwer verlaufenden COVID-Pneumonie bei einem 19-jährigen Patienten. In unserer Klinik wurde die selbe Diagnose bei einem 51-jährigen Patienten mit ebenfalls schwerst verlaufender COVID-Pneumonie und sekundärer Pilzpneumonie gestellt, den wir nach einer intensivmedizinischen dreimonatigen Beatmungstherapie (11/2020-01/2021) von unserer Intensivstation in die Frührehabilitation übernommen haben.

Sekundär sklerosierende Cholangitis bei unserem Patienten nach COVID-Infektion

Die sekundär sklerosierende Cholangitis ist sicherlich keine COVID-spezifische Erkrankung, sondern kommt auch nach anderen schwersten intensivmedizinisch zu versorgenden Erkrankungen vor, ist aber auch so selten, dass zwei Fälle in Hamburger Kliniken in kurzer Zeit sicherlich erwähnenswert sind. Und natürlich kann man in jedem Fall argumentieren, dass beide Patienten diese (häufig zur Notwendigkeit einer Lebertransplantation führende) Erkrankung nicht entwickelt hätten, wenn sie keine COVID-Infektion erlitten hätten.

Eine gut gemachte und gut lesbare Studie zu eher leicht betroffenen Patienten

Sudre, C. H., Murray, B., Varsavsky, T., Graham, M. S., Penfold, R. S., Bowyer, R. C., Pujol, J. C., Klaser, K., Antonelli, M., Canas, L. S., Molteni, E., Modat, M., Jorge Cardoso, M., May, A., Ganesh, S., Davies, R., Nguyen, L. H., Drew, D. A., Astley, C. M., … Steves, C. J. (2021). Attributes and predictors of long COVID. Nature Medicine, 27(April). https://doi.org/10.1038/s41591-021-01292-y

Zu dieser Studie habe ich bei meiner Recherche nur positive Besprechungen gefunden. Sie ist hochrangig publiziert und sie macht sich die Mühe, Long Covid einmal zu definieren und zwar als:

„symptoms of fatigue, headache, dyspnea and anosmia“.

Definiert wurde Long Covid als Symptompersistenz an Tag 28 nach Infektion und abgegrenzt von Short Covid, wo die Symptomatik an Tag 10 spätestens endete. Es gab in der Studie Nachbeobachtungszeitpunkte nach den erwähnten 28 Tagen und nach 8 und 12 Wochen. Eingeschlossen wurden hauptsächlich britische COVID-Patienten, welche die „COVID Symptom Study app“ benutzt haben. Knapp 14% der Studienteilnehmer wurden stationär behandelt, so dass der überwiegende Teil eher leichte Verläufe gehabt haben dürfte. Hauptaussage der Studie ist, dass von 4.182 eingeschlossenen COVID-positiv-getesteten Probanden 588 (13%) Symptome noch nach 28 Tagen hatten, 189 (4,5%) nach 8 Wochen und 95 (2,3%) noch nach 12 Wochen. Da der Hauptteil der Studienteilnehmer weiblich und unter 70 Jahren alt war, hat man sich die Mühe gemacht und die erhobenen Häufigkeitsangaben mit der Geschlechts- und Altersverteilung von Großbritannien zu adjustieren. Dann kommt man auf 14,5% der Infizierten mit Post-Covid-Symptomen nach 28 Tagen 5,1% nach 8 Wochen und 2,2% nach 12 Wochen.

Von den Studienteilnehmern, die von Post-Covid-Symptomen berichteten, klagte ein sehr großer Teil über Fatigue und episodische Kopfschmerzen (97%, bzw. 91%), dann erst folgten der Verlust des Geruchsinns und anhaltender Husten oder Kurzatmigkeit. 16% der Betroffenen berichteten von Rückfällen. Anders als bei anderen Studien gab es eine Kontrollgruppe mit negativer COVID-PCR, hier wurde in 11% von Rückfällen berichtet.

Hauptrisikofaktoren, für die Entwicklung eines Long Covid-Syndroms waren weibliches Geschlecht, ein schwerer Krankheitsverlauf, höheres Lebensalter und hoher Body Mass Index. Die Autoren haben ein Vorhersagetool entwickelt, ob ein Betroffener mit höherer Wahrscheinlichkeit Long Covid entwickelt, welches mit der Anzahl der Symptome in der ersten Krankheitswoche (Fatigue, Kopfschmerzen, Atemnot, Stimmprobleme und Muskelschmerzen), dem Alter und dem Geschlecht auskommt.

Daten der britischen Statistikbehörde

Ayoubkhani, D. (2021). Prevalence of ongoing symptoms following coronavirus ( COVID-19 ) infection in the UK : 1 April 2021 (Issue April). https://www.ons.gov.uk/peoplepopulationandcommunity/healthandsocialcare/conditionsanddiseases/bulletins/prevalenceofongoingsymptomsfollowingcoronaviruscovid19infectionintheuk/1april2021#prevalence-of-ongoing-symptoms-following-coronavirus-infection-in-the

Es handelt sich bei den Daten der britischen Statistikbehörde um einen fortlaufend aktualisierten Bericht, der offenbar immer die letzten vier Wochen vor Veröffentlichung berücksichtigt, in der aktuellen Ausgabe also die vier Wochen vor dem 06. März 2021. In diesem Zeitraum wurden in Großbritannien 1,1 Millionen selbst berichtete Long Covid-Beschwerden registriert, was einer Prävalenz von 1,7% aller Briten entspricht.

Von den Studienteilnehmern, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, war die Symptomprävalenz 12 Wochen nach der Infektion bei weiblichen Teilnehmern (14,7%) höher als bei männlichen Teilnehmern (12,7%) und bei den 25- bis 34-Jährigen (18,2%) am höchsten. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von COVID-negativen Briten gleicher Alters- und Geschlechtsverteilung waren die berichteten Beschwerden bei den ehemals Infizierten acht mal häufiger. Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen wiesen neben Angehörigen sozial benachteiligter Schichten die höchste Prävalanzrate auf, ebenso Arbeitstätige mit vorbestellenden „signifikanten“ bestehenden Gesundheitsstörungen. Interessant zu der erhöhten Rate von Long Covid im Gesundheits- und Sozialsektor ist die Anmerkung

„High prevalence rates of self- reported long COVID among health and social care workers may also partly reflect increased awareness of long COVID among workers in these sectors.“

Am griffigsten ist vermutlich die Tabelle der Long Covid-Symptome nach Altersgruppen und Geschlecht, was wiederum vermutlich die Häufigkeiten sind, die Karl Lauterbach zuletzt (siehe oben) verwendet.

Betroffene Infizierte (Mittelwert, in %)
Männer12,7
Frauen14,7
2 bis 11 Jahre7,4
12 bis 16 Jahre8,2
17 bis 24 Jahre11,5
25 bis 34 Jahre18,2
35 bis 49 Jahre16,1
50 bid 69 Jahre16,4
über 70 Jahre11,2
nach: Ayoubkhani, D. (2021). Prevalence of ongoing symptoms following coronavirus ( COVID-19 ) infection in the UK : 1 April 2021 (Issue April). https://www.ons.gov.uk/peoplepopulationandcommunity/healthandsocialcare/conditionsanddiseases/bulletins/prevalenceofongoingsymptomsfollowingcoronaviruscovid19infectionintheuk/1april2021#prevalence-of-ongoing-symptoms-following-coronavirus-infection-in-the

Eine deutsche Studie zu dem Thema

Augustin, M., Schommers, P., Stecher, M., Dewald, F., Gieselmann, L., Gruell, H., Horn, C., Vanshylla, K., Di Cristanziano, V., Osebold, L., Roventa, M., Riaz, T., Tschernoster, N., Altmueller, J., Rose, L., Salomon, S., Priesner, V., Christoffer Luers, J., Albus, C., … Lehmann, C. (2021). Recovered not restored: Long-term health consequences after mild COVID-19 in non-hospitalized patients Running head: Long-term health consequences after mild COVID in non-hospitalized patients. MedRxiv, 2021.03.11.21253207. https://doi.org/10.1101/2021.03.11.21253207

Diese Studie existiert bislang nur als Preprint, ich habe sie aber dennoch hinzugefügt, da sie aus Köln stammt und so ggfs. das hiesige Patientenkollektiv besser abbildet als britische oder US-amerikanische Arbeiten. Eingeschlossen wurden 958 Patienten mit PCR-bestätigter COVID-Infektion, die allesamt leicht betroffen waren. Die Patienten waren mit 31 bis 54 Jahren eher jung. Diese wurden sieben Monate lang nachbeobachtet. Long Covid wurde hier definiert als eines der folgenden Symptome nach durchgemachter COVID-Infektion: Geruchs- oder Geschmacksverlust, Fatigue oder Atemnot).

Von den eingeschlossenen Patienten gaben 8,6% nach vier Monaten anhaltende Luftnot 12,4% einen anhaltenden Geruchsverlust und 9,7% eine Fatigue an. In Bezug auf die Gesamtpopulation der eingeschlossenen Patienten ergab sich eine Rate von 12,8% mit Long Covid-Symptomen nach vier Monaten. Die sieben-Monats-Daten zeigen sogar leicht steigende Häufigkeiten: 13,6% berichteten von Luftnot, 14,7% von einer Geruchsstörung und ebenfalls 14,7% von Fatigue. Frauen waren – wie in den anderen Studien auch – öfters betroffen, nach sieben Monaten konnten 11% der Long Covid-Patienten nicht vollständig am zuvorigen Alltags- und Arbeitsleben teilnehmen.

Die Autoren betonen, dass die Post Covid-Symptome von Patienten mit erfolgter Krankenhaus- und insbesondere mit Intensivstationsbehandlung oft durch die schwere der Erkrankung und ggfs. eine mechanische Beatmung erklärbar seien, dies sei bei den von Ihnen beschriebenen Patienten anders.

Von den hier zitierten Arbeiten (aber auch von den hier nicht zitierten aber quergelesenen Studien) finden sich in der Kölner Arbeit sehr hohe Prävalenzwerte und auch sehr lang anhaltende Post Covid-Symptome.

Oft zitiert und oft kritisiert: Die Studie mit dem Internetfragebogen

Davis, H. E., Assaf, G. S., McCorkell, L., Wei, H., Low, R. J., Re’em, Y., Redfield, S., Austin, J. P., & Akrami, A. (2020). Characterizing long COVID in an international cohort: 7 months of symptoms and their impact. MedRxiv. https://doi.org/10.1101/2020.12.24.20248802

Das hier ist der Tweet, weshalb ich überhaupt was zu Long Covid schreibe:

Ich kannte diese Studie – die weiterhin nur als Preprint erhältlich ist – vorher nur ganz oberflächlich, wusste aber, dass sie auf Grund ihres Studiendesigns

„International web-based survey of suspected and confirmed COVID-19 cases with illness lasting over 28 days and onset prior to June 2020“

und des -settings:

„Survey distribution via online COVID-19 support groups and social media“

an verschiedenen Stellen heftig kritisiert wurde und nun postet Karl Lauterbach den Link zu dieser Arbeit mit den Worten „Bisher beste Langzeitstudie dazu“. Habe ich mich sofort furchtbar drüber aufgeregt. Aber was steht eigentlich drin?

Die Studie wurde von Betroffenen, die selber an einem Long Covid-Syndrom leiden, konzipiert und durchgeführt. Sie beruht auf einem Onlinefragebogen, der öffentlich zugänglich war. Aus verschiedenen Social Media-Plattformen wurde auf den Fragebogen verlinkt, dieser in diverse Sprachen übersetzt. Der Fragebogen selber erscheint sehr umfangreich mit 257 Fragen und einer mittleren Bearbeitungsdauer von 69 Minuten. Neben dem Studiendesign, dem erwartbaren confirmation bias, da die Studie von Betroffenen durchgeführt und veröffentlicht wurde, ist der allergrößte Kritikpunkt dieser:

„In addition to positively tested subjects (n=1,020, either diagnostic (RT-PCR/antigen, Table 1) or antibody), we included participants with absent (n=1,819) or negative test results (n=923, diagnostic and antibody), since the prevalence of 203 symptoms (out of 205, see Section “Symptoms by test results”), as well as symptom trajectory (Figure 7) and the survival functions (Figure 1a), were not significantly different between diagnostic/antibody positive and negative or untested groups.“

Positiv getestet (PCR, Schnelltest oder Antikörper-Nachweis) wurden insgesamt nur 27% der Teilnehmer. Dass sich die Ergebnisse faktisch nicht unterscheiden, zwischen SARS-CoV2-negativen und -positiven Studienteilnehmern bis auf die Geruchs- und Geschmacksstörung, könnte man eigentlich als komplettes Scheitern der Studie auffassen, allerdings tun das die Autoren nicht. Die stellen einfach fest:

„While the majority of participants did not report receiving a positive SARS-CoV-2 diagnostic or antibody test result, our analysis confirms that this is not a limitation of our study; rather, it is a limitation of the availability and accuracy of SARS-CoV-2 tests“.

Von den Studienteilnehmern wurden nur 8,4% stationär aufgenommen, alle anderen waren im ambulanten Setting behandelt worden, was auf eher leichte COVID-Infektionen schließen lässt. 79% der Teilnehmer waren weiblich, zwischen 30 und 59 Jahre alt und weiß. Die Nachbeobachtungszeit erstreckt sich mittlerweile über 7 Monate. 96% der Teilnehmer berichteten von anhaltenden Post Covid-Symptomen, 85% von Rückfällen nach anfänglicher Besserung, 45% eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit und 22% eine fehlende Arbeitsfähigkeit. Die meisten Symptome waren laut Angabe der Studienteilnehmer milder Natur, die eh geringe Rate von schweren persistierenden Symptomen hat sich n der Studie innerhalb von vier Monaten nahezu null angenähert, stieg ab Monat sechs dann aber wieder an. Abgefragt wurden so ungefähr alle denkbaren Symptome inclusive

„Decrease in size of testicles/penis“,

was ich auch für ein extrem nachvollziehbares Post-Covid-Symptom halte. Hübsch ist auch die Grafik in der explizit keine neuropsychiatrischen Symptome aufgeführt würden und dann kommt da Fatigue, anhaltendes Krankheitsgefühl, Missempfindungen der Haut, sexuelle Dysfunktion, Tunnelblick, Doppelbilder und Appetitverlust vor. Da freut sich das Neurologenherz und das des Psychosomatikers umso mehr.

Was interessant ist, da ja in erster Linie leicht betroffene COVID-Patienten und Menschen, die nur vermutet haben, eine COVID-Infektion durchgemacht zu haben, in die Studie eingeschlossen wurden, ist, dass Fatigue mit einer Häufigkeit von 80% über sieben Monate konstant persistierte, ebenfalls ein anhaltendes Krankheitsgefühl (hier niedriger Beginn mit 30% Häufigkeit, dann bis Woche acht Anstieg auf 70%, seither konstant), sowie Gedächtnisstörungen und „brain fog“ (gleiche Dynamik wie das anhaltende Krankheitsgefühl) während pulmonale und gastrointestinale Beschwerden sich bis auf einen trockenen Reizhusten, der bei 40% persistiere, zurückgebildet hätten.

Die Preprint-Metaanalyse

López-León, S., Wegman-Ostrosky, T., Perelman, C., Sepulveda, R., Rebolledo, P. A., Cuapio, A., & Villapol, S. (2021). More than 50 Long-Term Effects of COVID-19: A Systematic Review and Meta-Analysis. MedRxiv, 1–22. https://doi.org/10.2139/ssrn.3769978

In der Metaanalyse wurden 15 Studien eingeschlossen, 19 auf Grund von Fallzahlen unter 100 ausgeschlossen, zudem die Internet-Fragebogen-Studie auf Grund der erwähnten methodischen Mängel. Kernaussage der Metaanalyse ist, dass Fatigue, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeitsstörungen, Haarverlust und Dyspnoe am häufigsten auftreten. 80% der COVID-Infizierten würden mindestens ein Symptom oder auffälligen Laborparameter haben. Leider findet sich in der gesamten Metaanalyse keine Prozentangabe der einzelnen Symptome oder Laborauffälligkeiten, was die Arbeit m.E. insgesamt wenig hilfreich macht.

Kurzes Zwischenfazit

Die Häufigkeiten von Long Covid schwanken in den bisherigen Arbeiten (wenn man die Internetfragebogen-Studie ausschließt) bei leicht betroffenen Patienten um 12-14% der Infizierten, wobei es innerhalb von drei Monaten eine deutliche Rückbildungstendenz zu geben scheint. Weibliches Geschlecht und ein Lebensalter zwischen 25 und 69 Jahren scheint das Risiko, ein Long Covid-Syndrom zu entwickeln, zu erhöhen.

Bei den Symptomen und auch ihrer Bedeutung für den weiteren Genesungsverlauf und auch die etwaige Notwendigkeit eine Rehabilitationsbehandlung oder eine fehlende oder verminderte Arbeitsfähigkeit muss man zwischen häufigen, nervigen, aber für die allerwenigsten Menschen zur Arbeitsunfähigkeit führenden Symptomen wie einem anhaltenden Geschmacks- und Geruchsverlust oder einem Haarausfall (der ist übrigens deutlich seltener) und anhaltender Fatigue und einem anhaltenden Krankheitsgefühl unterscheiden. Gerade die Fatigue scheint in dem üblichen Symptomkonglomerat mit das häufigste Symptom zu sein und auch eines, was sich anders als anhaltender Husten nicht mit den Lungengerüst-Veränderungen bei (schwereren) COVID-Verläufen erklärt. Daher stellt sich die Frage, woher kommt das Phänomen und gibt es das eigentlich nur bei COVID?

Erklärungsmodelle für Long Covid

Ein problematischer Vergleich: Long EBV und Long SARS

Mein Einstieg in dieses Thema war die Überlegung, ob es so etwas wie Long Covid nicht auch bei anderen Erkrankungen geben müsste. Und ich empfinde Influenza im COVID-Kontext etwas überstrapaziert, so dass ich meine ganze mikrobiologischen Pseudoexpertise zusammengekratzt und lange überlegt habe und zu dem Schluss gekommen bin, dass ich mal gucke, wie das mit dem Epstein Barr-Virus so ist. Und zwar weil das endemisch ist (und das ist ja das wohin wir mit SARS-CoV2 gerade auch steuern), eine unglaublich hohe Kontagiösität hat und weil auch hier gilt, je jünger die Betroffenen sind, desto leichter sind die Verläufe und je älter umso schwerer. Und ja, der Vergleich hinkt, weil SARS-CoV2 ein RNA-Virus ist und kein DNA-Virus der Herpes-Gruppe. Aber trotzdem. Praktisch ist zudem, dass es hierzu Literatur gibt, wo man nachschauen kann u.a. eine skandinavische Studie zu dem Thema mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (siehe unten).

Nach einer Infektion mit dem Epstein Barr-Virus (EBV) (Link Wikipedia) werden in gut 10% der Fälle (je nach Studie bis 11-13%) länger anhaltende Erschöpfungssyndrome berichtet. Diese sind in der Regel innerhalb von sechs Monaten regredient. Bei den Betroffenen, die länger als sechs Monate unter Erschöpfungssyndromen leiden, ließen sich in der unten aufgeführten Studie statistisch signifikant folgende Faktoren feststellen, die offenbar mit einem länger andauernden Erschöpfungssyndrom assoziiert sind: Ausmaß der klinischen Symptomatik während der Infektion, funktionell relevante Beschwerden durch die Infektion, negative Emotionen (insbesondere Ängstlichkeit) und vor der Infektion durchgemachte negative Lebensereignisse. Von 98 in der Studie untersuchten Biomarkern ließen sich nur bei Folgenden ein Unterschied zu einer Kontrollgruppe mit durchgemachter EBV-Infektion aber ohne Erschöpfungssymptome feststellen: Weibliches Geschlecht, CRP-Wert bei Infektion, Vitamin B12-Spiegel, sensorische Empfindlichkeit, Schmerzschwelle, verringertes Wortgedächtnis und Schritte/Tag. Die gesamte sehr umfangreiche immunologische Diagnostik mittels Bestimmung verschiedener Zytokine und Immunzellpoulationen und die infektiologische Serologie incl. Bestimmung der Viruslast, Antikörperstatus usw. konnte keine eindeutigen Unterschiede zwischen Betroffenen mit anhaltendem Erschöpfungssyndrom und Kontrollgruppe herausarbeiten. Hilfreich in der Behandlung waren ein Bewegungstraining und kognitive Verhaltenstherapie.

Die Autoren schlussfolgern, dass es eine offensichtliche Ähnlichkeit der Risikofaktoren für ein Erschöpfungssyndrom nach einer EBV-Infektion und eines chronischen Erschöpfungssyndromes (CFS) gibt. Weiter kommen sie zu dem Schluss, dass die Ergebnisse der Studie eher ein biopsychosoziales Erklärungsmodell der Erschöpfungssymptome als eine biomedizinische Kausalität nahelegen und dass sich das mit den aktuellen wissenschaftlichen Auffassungen zum chronischen Erschöpfungssyndrom decken würde.

Ich habe dann noch etwas weiter geschaut und fand auch die SARS-Pandemie (Link Wikipedia) ganz interessant. Das ist jetzt knapp 20 Jahre her (2002/2003) das war ja alles weit weg und in China, aber immerhin ging es da um ein Corona-Virus. Auch hier wurden postinfektiöse Erschöpfungssyndrome berichtet, bestehend aus anhaltendem Krankheitsgefühl, Appetitverlust, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Die Autoren im von mir zitierten Paper postulieren eine milde Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse als mögliche Ursache mit einem hierdurch bedingten leichten Hypocortisolismus. Diese zentralnervöse Fehlfunktion werten sie als Folge eines starken körperlichen Stresserlebens. Eine medikamentöse Substitutionstherapie wird aber nicht für notwendig erachtet.

Wo man weiterlesen kann

Chrousos, G. P., & Kaltsas, G. (2005). Post-SARS sickness syndrome manifestations and endocrinopathy: how, why, and so what?. Clinical Endocrinology, 63(4), 363–365. https://doi.org/10.1111/j.1365-2265.2005.02361.x

Pedersen, M., Asprusten, T. T., Godang, K., Leegaard, T. M., Osnes, L. T., Skovlund, E., Tjade, T., Øie, M. G., & Wyller, V. B. B. (2019). Predictors of chronic fatigue in adolescents six months after acute Epstein-Barr virus infection: A prospective cohort study. Brain, Behavior, and Immunity, 75(June 2018), 94–100. https://doi.org/10.1016/j.bbi.2018.09.023

Pedersen, M., Asprusten, T. T., Godang, K., Leegaard, T. M., Osnes, L. T., Skovlund, E., Tjade, T., Øie, M. G., & Wyller, V. B. B. (2019). Fatigue in Epstein-Barr virus infected adolescents and healthy controls: A prospective multifactorial association study. Journal of Psychosomatic Research, 121(February), 46–59. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2019.04.008

Postinfektiöse Erschöpfungssyndrome sind nichts neues

Über die EBV-Arbeiten bin ich dann zum schon erwähnten chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) gekommen, von dem ich bislang nicht viel wusste, es aber irgendwo zwischen chronischer Borreliose ohne Antikörper-Nachweis und multipler Chemikalienunverträglichkeit einsortiert hatte. Wenn man sich hierzu etwas beliest, ist das aber total interessant. Vor allem die medizinhistorische Einordnung:

Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden Fallberichte und Fallsammlungen zu anhaltenden Erschöpfungssyndromen nach der russischen Grippe (Link Wikipedia) veröffentlich. So litten unter anderem der britische Premier- und Außenminister, sowie der irische Außenminister an einem prolongierten Erschöpfungssyndrom. Kernsymptome der damaligen Berichte waren Schlagstörungen, anhaltende Müdigkeit, diffuse Schmerzen und eine tiefgreifende allgemeine Erschöpfung. In der damaligen medialen Rezeption führte dies dazu, dass Mitte der 1890er Jahre die russische Grippe nahezu wahllos für psychiatrische Erkrankungen, Suizide und diffuse Beschwerden aller Art verantwortlich gemacht wurde. Männer waren von der russischen Grippe häufiger betroffen als Frauen. Die postinfektiösen Symptome wurden daher – dem damaligen Zeitgeist folgend – explizit nicht als „hysterisch“ bedingt (die Hysterie als Diagnose war in weiten Teilen Frauen „vorbehalten“, sondern als „Neurasthenie“ (etwas was man heute ggfs. als Erschöpfungsdepression verstehen würde) aufgefasst. An einer Neurasthenie zu leiden war damals „modern“ und Ausdruck, dass man viel geleistet habe.

Bei der spanischen Grippe (Link Wikipedia) wurden ähnliche, andauernde Beschwerden beschrieben, zudem eine erhöhte Rate von Influenza-Erkrankten, welche nach der Grippeerkrankung Parkinson-Symptome und Augenmuskelparesen entwickelten. Auch die bis heute mysteriöse europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica) (Link Wikipedia) trat in Folge der spanischen Grippe erstmals auf und ebbte erst 1927 ab, also sieben Jahre nach dem Ende der Grippe-Pandemie. Damals entwickelte sich erstmals die Vorstellung, dass eine wie auch immer geartete „Gehirnbeteiligung“ ursächlich für die neuropsychiatrischen Symptome sei.

Im 20. Jahrhundert änderte sich dann – zumindest in der Schulmedizin – die wohlwollende Auffassung des postinfektiösen Syndroms nahezu in das Gegenteil. In der Zwischenzeit hatte das Phänomen neue Namen bekommen, z.B. myalgische Enzephalomyelitis, epidemische Neuromyasthenie oder zuletzt chronisches Erschöpfungssyndrom (Link Wikipedia). Frauen wurden nun als 10 Mal häufiger betroffen als Männer eingeschätzt. Als typischer Auslöser galt ein meist unspezifischer oberer Atemwegsinfekt.

„The cardinal symptom is profound muscular fatigue and this is often accompanied by muscle pain, headache, paraesthesiae, dizziness, urinary frequency, cold extremities, bouts of sweating and fainting attacks. Other symptoms are poor memory, lack of concentration, sleep disturbance, mild expressive and receptive dysphasia, hyperacusis and emotional lability“ (nach Archer et al.)

Übersetzt also: Kernsymptome sind vermehrte muskuläre Ermüdbarkeit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Missempfindungen, Schwindelgefühl, vermehrtem Harndrang, kalten Extremitäten, unvermitteltes Schwitzen und Ohnmachtsanfälle. Dazu bestünden Konzentrations- und Schlafstörungen, Sprachstörungen, eine vermehrte Geräuschempfindlichkeit und eine emotionale Labilität. Klinische und laborchemische Untersuchungen seien nicht wegweisend, bei einem Großteil der Betroffenen komme es zu einer kompletten Erholung, bei einem Teil durch emotionalen oder physischen Stress ausgelösten Rückfällen und bei einem kleinen Teil zu einer chronischen Verlaufsform. In der Folge entwickelte sich ein heftiger Streit darüber, ob es sich bei der myalgischen Enzephalomyelitis um eine eigenständige und einzugrenzende Krankheit oder eine willkürliche Ansammlung von Symptomen handele, es einen somatischen Kern der Erkrankung gebe, es diesen eben nicht gebe und ob es sich ggfs. um eine anhaltende „slow virus-infection“ des Gehirns handeln könne. Festgestellt wurde, dass dieses Syndrom überwiegend nach Virusinfekten auftrete und dass neben unspezifischen grippalen Infekten insbesondere Influenza-, Coxsackie-, Entero-, Cytomegalie-, Varizella-Zoster- und das Epstein-Barr-Virus eine Rolle zu spielen scheinen.

Für heutige Verhältnisse ungewöhnlich harsch (und eigentlich auch sexistisch) wurde diskutiert, ob es sich nicht „nur um Hysterie“ handele, da es keine objektivierbaren apparativen Untersuchungsergebnisse gäbe, überwiegend Frauen und in einem großen Teil in medizinischen Berufen (v.a. Kranken- und Altenpflege) mit Clustern in Betrieben und Freundeskreisen betroffen seien und eine Intensivierung der Diagnostik häufig zu einer Chronifizierung der Beschwerden führe (das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis und gilt ja auch heute für viele somatoforme Beschwerden). So kommt die Arbeit von Archer et al. zu dem Schluss:

„Whether the initial process is organic or hysterical there is probably a psychiatric disturbance, either preexisting or secondary to the disease, in most patients.“

Und in der Zusammenfassung geht es entsprechend noch einmal so zu:

„The post-viral syndrome is a mixed-bag of organic and psychiatric disease, and finding a definitive test to prove a viral aetiology will not lessen the psychiatric symptoms of its sufferers.“

Die Arbeit von Bannister et al. ein Jahr später nimmt eine eher konträre Position ein und beschäftigt sich intensiv mit den damals diskutierten Theorien zur Hypothese des postinfektiösen Syndroms. Es wurde z.B. noch einmal darauf hingewiesen, dass es postinfektiöse Syndrome auch nach bakteriellen Infektionen oder autoimmunen Prozessen gäbe. Zudem wurden Fälle mit distal-symmetrischen Paresen und Faszikulationen der Muskulatur nach schwereren Verläufen der initialen Infektionskrankheit berichtet, welche wir heutzutage vermutlich als critical illness Polyneuropathie / -Myopathie (CIP/CIM) (Link Wikipedia) einordnen würden, sowie von Patienten mit Muskelschmerzen und erhöhter Serum-CK, insbesondere nach Infektion mit Coxsackie-Viren, was man heutzutage vermutlich als postinfektiöse Myositis (Link Wikipedia) verstehen würde (dazu kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass lohnt sich nicht, ist relativ ekelig). Generell nimmt in dieser Arbeit die serologische Virus-Antikörperdiagnostik einen breiten Raum ein, insbesondere die erwähnten Coxsackie-Viren und das Epstein-Barr-Virus werden intensiv als möglicher Auslöser diskutiert. Auch wird in Ansätzen das Konzept oxidativen Stresses und einer mitochondrialen Fehlfunktion eingegangen, was in der Folgezeit als pathophysiologisches Korrelat des chronischen Erschöpfungssyndromes diskutiert wurde.

Rezo wollte auch was dazu schreiben: Die Zerstörung des chronischen Erschöpfungssyndromes

2017 und damit kurz vor der SARS-CoV-2-Pandemie erschien ein deutschsprachiges Review von Rollnik zu dem Thema, was sich sehr eindeutig positioniert und dem chronischen Müdigkeits- und Erschöpfungssyndrom (so wird die Erkrankung dort bezeichnet) das Wesen einer eigenständigen Erkrankung abspricht. Insbesondere wird ausführlich auf die widersprüchlichen und nicht konsistenten Hypothesen zur erreger-, autoimmun oder genetisch vermittelten Genese des chronischen Erschöpfungssyndromes (CSF) eingegangen. Auch die vermutlich nicht haltbaren Ergebnisse neuroanatomischer Besonderheiten bei CFS-Patienten aus MRT-Studien mit kleiner Fallzahl werden erwähnt. Der Autor beschreibt, dass, obwohl es eigentlich ein Ausschlusskriterium der Diagnose eines chronischen Erschöpfungssyndromes sein sollte, in einer von CSF-Befürwortern angeführten repräsentativen Studie aus den USA 70% derjenigen, die an einem Erschöpfungssyndromes gelitten hätten, auch die Diagnose einer depressiven Störung gehabt hätten. Das Verhältnis von Frauen zu Männern in der Studie habe bei 4:1 gelegen, es seien überwiegend Menschen mit höherem Bildungsstatus betroffen gewesen. Er beschreibt die sehr stark schwankenden Angaben zur Inzidenz der Erkrankung von unter 1% der Bevölkerung auf bis zu 7%, je nachdem ob die Diagnose ärztlich ermittelt worden sei (niedrige Inzidenzen) oder auf Fragebögen zur Selbstbeantwortung beruhe (hohe Inzidenzen). Erwähnt wird, dass laut mehreren Reviews Patienten mit einem CFS oft eine

„Kausalattribuierung, die auf externale oder körperliche Ursachen fokussiere“

hätten, was im wesentlichen Merkmal einer somatoformen Störung sei. Der oft unerbittliche Konflikt zwischen Befürwortern der Krankheitsentität chronisches Erschöpfungssyndrom und Gegnern dieser Auffassung wird beschrieben, auch dass es einen ICD-10-Code für die Erkrankung gibt, welcher aber in seiner Definition relativ unspezifisch sei.

Zur Therapie des CSF wird angeführt, dass ein Cochrane-Review einen guten Effekt von Bewegungstherapie für einen Zeitraum zwischen 12 und 26 Wochen zeigen konnte mit anschließender nachhaltiger Besserung. Zudem wird beschrieben, dass es eine Evidenz für die Wirksamkeit einer medikamentösen antidepressiven Therapie gebe, was ggfs. aber auch an der großen Überschneidung mit depressiven Erkrankung liegen könne. Alternativmedizinische Verfahren würden zwar häufig von Betroffenen in Anspruch genommen, zeigten aber in Studien nur einen sehr kleinen Benefit. Die in einzelnen Studien auf dem Boden der zwischenzeitlich diskutierten autoimmunen Genese durchgeführte Therapie mit CD20-Antikörpern wie Rituximab wird sehr kritisch kommentiert. Die Arbeit schließt mit der Zusammenfassung:

„Betrachtet man die vorhandenen Publikationen zu Ätiologie und Pathophysiologie, so lässt sich konstatieren, dass es keine schlüssigen Belege für eine einheitliche infektiologische, immunologische, genetische oder eine anders geartete, spezifische Ursache für die Entstehung eines CFS gibt.“

Und weiter heißt es:

„Aus ärztlich-therapeutischer Sicht ist es kontraproduktiv, Patienten, die an einer somatisch nicht erklärbaren Fatigue-Symptomatik leiden, ein pseudowissenschaftliches, externales oder körperliches Erklärungsmodell ihrer Beschwerden anzubieten.“

Der Autor betont mehrfach die Notwendigkeit einer wertschätzenden und den Leidensdruck der Betroffenen respektierenden ärztlichen Grundhaltung, im klassischen (psycho)therapeutischen Sinn, auch wenn man das körperliche Störungsmodell der Patienten nicht nachvollziehen könne. Damit decken sich seine Äußerungen mit der derzeit in Überarbeitung befindlichen, aber weiterhin abrufbaren Leitlinie der DEGAM zum Thema Müdigkeit, in der auch das CFS aufgeführt wird (Link).

Wo man weiterlesen kann

Archer, M. I. (1987). The post-viral syndrome: a review. The Journal of the Royal College of General Practitioners, 37(298), 212–214. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3320358 (Free PDF)

Bannister, B. A. (1988). Post-infectious disease syndrome. Postgraduate Medical Journal, 64(753), 559–567. https://doi.org/10.1136/pgmj.64.753.559 (Free PDF)

Rollnik, J. (2017). Das chronische Müdigkeitssyndrom – ein kritischer Diskurs. Fortschritte Der Neurologie · Psychiatrie, 85(02), 79–85. https://doi.org/10.1055/s-0042-121259

Honigsbaum, M., & Krishnan, L. (2020). Taking pandemic sequelae seriously: from the Russian influenza to COVID-19 long-haulers. The Lancet, 396(10260), 1389–1391. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32134-6 (Free PDF)

Und zurück zu Long Covid

Was auffällt ist, dass anders als beim chronischen Erschöpfungssyndrom die Erklärungsmodelle für die Fatigue bei Long Covid ganz überwiegend rein somatisch ausgerichtet sind. In der Regel wird insbesondere für die Fatigue, die beim chronischen Erschöpfungssyndrom in erster Linie biopsychosozial erklärt wird, eine wie auch immer geartete neuronale Fehlfunktion postuliert. In der Kölner Studie z.B. wird auf eine Arbeit (Jensen et al.) verwiesen, die eine endotheliale Dysfunktion im Frontalhirn annimmt und dies mit dem histopathologischen Autopsiebefund von Thrombozyten- und Megakaryozytenkonglomeraten in Kapillaren von an COVID19 Verstorbenen belegt. Dies steht allerdings im Widerspruch zur großen Autopsiestudie aus Hamburg (Matschke et al.), die dies nicht zeigen konnte, sonder lediglich eine Mikrogliaaktivierung im Hirnstamm, aber auch im Frontallappen und ansonsten keine morphologischen Veränderungen an den Gehirnen an COVID19 Verstorbener feststellen konnte.

Eine sehr aufwändig gestaltete Studie aus Freiburg (Blazhenets et al. und Hosp et al.) untersuchte neurokognitive Defizite bei stationär behandelten COVID-Patienten und konnte hier einen verminderten Glukosestoffwechsel in Teilen des Frontalhirns zeigten.

In der Metaanalyse von López-León wird ein Vergleich zum chronischen Erschöpfungssyndrom gezogen und geschrieben

„It is tempting to speculate that SARS-CoV-2 can be added to the viral agents‘ list causing ME/CFS.“

Direkt danach wird aber über verschiedene somatische Ursachen der neuropsychiatrischen Symptome bei Long Covid spekuliert (Hypoxie und eine Hyperkoagulopathie), in einem Nebensatz dann aber auch erwähnt, dass eine psychodynamische Komponente nicht auszuschließen sei, durch das Bewusstsein der Patienten an einer potenziell tödlichen Erkrankung zu leiden. In der Arbeit von Nandu et al. wurden stationär behandelte COVID-Patienten untersucht. Hier zeigte sich eine klare Evidenz von vermehrten Post-Covid-Symptomen bei Patienten, die schon vor der Infektion an einer Traumafolgestörung litten.

Literaturangaben (explizit keine Weiterlese-Tips)

Jensen, M. P., Le Quesne, J., Officer‐Jones, L., Teodòsio, A., Thaventhiran, J., Ficken, C., Goddard, M., Smith, C., Menon, D., & Allinson, K. S. J. (2021). Neuropathological findings in two patients with fatal COVID‐19. Neuropathology and Applied Neurobiology, 47(1), 17–25. https://doi.org/10.1111/nan.12662

Matschke, J., Lütgehetmann, M., Hagel, C., Sperhake, J. P., Schröder, A. S., Edler, C., Mushumba, H., Fitzek, A., Allweiss, L., Dandri, M., Dottermusch, M., Heinemann, A., Pfefferle, S., Schwabenland, M., Sumner Magruder, D., Bonn, S., Prinz, M., Gerloff, C., Püschel, K., … Glatzel, M. (2020). Neuropathology of patients with COVID-19 in Germany: a post-mortem case series. The Lancet Neurology, 19(11), 919–929. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(20)30308-2

Blazhenets, G., Schröter, N., Bormann, T., Thurow, J., Wagner, D., Frings, L., Weiller, C., Meyer, P. T., Dressing, A., & Hosp, J. A. (2021). Slow but evident recovery from neocortical dysfunction and cognitive impairment in a series of chronic COVID-19 patients. Journal of Nuclear Medicine, jnumed.121.262128. https://doi.org/10.2967/jnumed.121.262128

Hosp, J. A., Dressing, A., Blazhenets, G., Bormann, T., Rau, A., Schwabenland, M., Thurow, J., Wagner, D., Waller, C., Niesen, W. D., Frings, L., Urbach, H., Prinz, M., Weiller, C., Schroeter, N., & Meyer, P. T. (2021). Cognitive impairment and altered cerebral glucose metabolism in the subacute stage of COVID-19. Brain, 1–14. https://doi.org/10.1093/brain/awab009

López-León, S., Wegman-Ostrosky, T., Perelman, C., Sepulveda, R., Rebolledo, P. A., Cuapio, A., & Villapol, S. (2021). More than 50 Long-Term Effects of COVID-19: A Systematic Review and Meta-Analysis. MedRxiv, 1–22. https://doi.org/10.2139/ssrn.3769978

Naidu, S. B., Shah, A. J., Saigal, A., Smith, C., Brill, S. E., Goldring, J., Hurst, J. R., Jarvis, H., Lipman, M., & Mandal, S. (2021). The high mental health burden of “Long COVID” and its association with on-going physical and respiratory symptoms in all adults discharged from hospital. European Respiratory Journal, 2004364. https://doi.org/10.1183/13993003.04364-2020

Deutungsversuche

Noch mal eine Zusammenfassung und

So, das war jetzt sehr sehr lang bis hierhin. Ich würde das Phänomen Long Covid mal versuchen wie folgt zu deuten: Nach einer COVID-Infektion findet man bei einem Teil der Patienten anhaltende Symptome, welche sich zwanglos mit dem Wesen der Atemwegs- und Lungeninfektion übereinbringen lassen, wie anhaltenden Husten. Je schwerer der Verlauf war, desto häufiger scheinen diese Symptome vorzuliegen. Bei intensivmedizinisch behandlungsbedürftigen Patienten kommen Erkrankungen wie eine CiP/CIM hinzu. Dann gibt es relativ COVID-spezifische Symptome, wie einen Geschmacks- oder Geruchsverlust, welche ebenfalls anhaltend sein können, die zwar nervig sind (das weiß ich aus eigener Erfahrung), die aber in den wenigsten Fällen Berufs- und Arbeitsfähigkeit o.ä. tangieren, die gesellschaftliche Bedeutung ist vermutlich eher gering. Zudem findet man – auch (oder insbesondere) – bei leicht erkrankten Patienten in 12-14% der Fälle anhaltende, nicht zwanglos der COVID-Infektion zuzuordnende Symptome, wie eine anhaltende Erschöpfung (Fatigue), ein anhaltendes Krankheitsgefühl, die sehr wohl ein Problem bei berufstätigen Infizierten sein können. Gerade die Fatigue sticht heraus, da es hier eine extrem große Überschneidung mit dem Phänomen chronisches Erschöpfungssyndrom gibt.

Warum sollen chronisches Erschöpfungssyndrom und Long Covid-Fatigue eigentlich nicht die selbe Erkrankung sein?

Je länger (und das ist jetzt schon einige Zeit) ich mich mit dem Thema Long Covid befasse, umso weniger verstehe ich, warum so krampfhaft versucht wird, eine Abgrenzung zwischen dem chronischen Erschöpfungssyndrom und der Fatigue bei Long Covid zu ziehen. Eigentlich entsprechen sich die Symptome komplett. Und dennoch gibt es wirklich viele Erklärungsansätze für eine rein somatische Genese bei der Fatigue bei Long Covid und parallel den schulmedizinischen Konsens, dass beim chronischen Erschöpfungssyndrom eine biopsychosoziale Krankheitsentstehung (also ganz ähnlich wie bei der Chronifizierung von Schmerzen Link) vorherrscht. Und wenn man mal das schmerzmedizinische Konzept als Denkgrundlage nimmt, dann wirkt es für mich recht logisch. Dann gibt es einen organischen Kern (die Virusinfektion) mit einer Veränderung und vermehrten Ausschüttung von Zytokinen auch im Gehirn. Dieser Kern scheint angesichts der unzähligen Versuche, für das chronische Erschöpfungssyndrom die eine Ursache zu finden, schwer fassbar und stimmt mich nicht optimistisch, dass dies für die Fatigue bei Long Covid gelingt. Und jetzt kommt der Punkt: Analog zur Schmerzchronifizierung ist das aber am Ende auch gar nicht so relevant. Relevant sind die falsch ablaufende, die Chronifizierung verstärkende Neuroplastizität und die psychosozialen Umstände, die dies begünstigen. Dies wäre ja der Inbegriff einer somatoformen, bzw. funktionellen Störung.

Mir kommt es aber so vor, als ob diese Angst „in die Psychoecke abgeschoben zu werden“, die ich von vielen Patienten höre, auch bei der COVID-Forschung vorherrscht. Und so ist nicht, was nicht sein darf und man sucht lieber die eine Ursache. Und das makabere ist, in den Studien, die ich gelesen habe für diesen Artikel klingt das ja immer wieder an. Da wird z.B. das Kontrollverlust-Erleben betont, wenn Patienten mit der COVID-Diagnose erfahren, dass sie an einer potentiell tödlich verlaufenden Erkrankung leiden, da wird die höhere Prävalanz bei Patienten mit vorbestellenden Traumafolgestörungen betont, da ist die empfohlene Therapie (analog zum chronischen Erschöpfungssyndrom) kognitive Verhaltenstherapie und Bewegungstherapie.

Und, um jetzt noch den Bogen zu spannen und mit Alexander von Humboldt zu sprechen:

„Alles hängt mit allem zusammen.“

Wenn man mal diesen zumindest medial und da insbesondere bei Twitter hochgekochten Lagerkampf zwischen Team Droste/Brinkmann/Lauterbach und Team Stöhr/Schmidt-Chanasit beäugt, was ist denn wenn die „stille Welle“

ganz erheblich zur hohen Rate von Fatigue nach COVID-Infektion beiträgt?

2 Kommentare zu „Long Covid. Was man bislang weiß …

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