Schmerzmedizin
COVID-19
COVID-Impfungen
COVID-Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff
Durch die Freigabe des AstraZeneca-Impfstoffes für alle Impfwilligen am 06.05.2021 bleibt das Thema zerebrale Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Impfung doch weiter aktuell. Durch Aussagen wie diese
wird die Frage, ob sich auch unter 60-Jährige mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen die Empfehlung der STIKO impfen lassen sollten noch einmal wichtiger. Damit die Übersichtlichkeit nicht immer mehr verloren geht, habe ich den bisherigen (sehr, sehr langen) Beitrag in eine Mini-Serie verwandelt. So kommen die verschiedenen Zielgruppen (ambitionierte und interessierte Nicht-Mediziner, aber auch Ärzte und Neurologen) hoffentlich mehr auf ihre jeweiligen Kosten und es wird alles übersichtlicher und auch besser aktualisierbar.
AstraZeneca-Impfstoff
Zwischenrufe
Long COVID
Unter dem Begriff Long Covid hat sich in kürzester Zeit eine (vermeintlich) neue Krankheitsentität etabliert. Hier soll es darum gehen, das Phänomen Long Covid etwas besser zu verstehen. Ich habe den hierzu im April schon einmal publizierten viel zu langen Blogbeitrag in mehrere (leichter aktualisierbare), umfassend überarbeitete und kürzere Unterkapitel unterteilt.
Hier soll es – dem Grundthema des Blogs folgend – vor allem um die neurologischen und neuropsychologischen Long Covid-Symptome gehen. Einen guten Überblick über alle beim Thema Long Covid als involviert geltenden medizinischen Fachdisziplinen findet man in der relativ neu erschienen AWMF S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID (Link). Wie es sich für eine Diagnostik- und Therapie-Leitlinie gehört, bekommt man einen guten Überblick über die derzeit für erforderlich gehaltene Differentialdiagnostik und therapeutische Ansätze. Das Thema Pathogenese von Long Covid kommt etwas kurz, aber darum wird es hier sehr viel gehen.
Ist SARS-CoV-2 neurotrop? Und was bedeutet das eigentlich?
Die Frage, ob und in wie fern SARS-CoV-2 neurotrop ist und welche Maßnahmen/Befürchtungen man daraus ableiten muss, ist immer wieder Gegenstand von (Twitter-)Diskussionen zu dem Thema.
DAS PROBLEM MIT DER FRAGESTELLUNG
Neurotropie ist nicht gleich Neurotropie
Bei der Recherche zu dem Thema ist mir aufgefallen, dass das ganze schon einmal extrem schlecht anfängt und doch einige Begriffe durcheinander gehen, so dass man die Fragestellung gar nicht pauschal beantworten kann. Genau genommen müsste man nämlich folgendes bedenken: Ein neurotroper Erreger ist ja einer, der Nervenzellen infizieren kann. Eigentlich muss man aber differenzieren, ob ein Erreger nur neuroinvasiv ist (also in das Nervensystem eindringen kann) oder auch neurovirulent ist (also im Nervensystem eine Krankheit verursacht). Im klinischen Alltag wird das oft gleichgesetzt, in der wissenschaftlichen Literatur aber eben nicht.
Die Flut der Veröffentlichungen
Die Zahl der Veröffentlichungen zu SARS-CoV-2 ist gigantisch, pauschal nach SARS-CoV-2 gesucht beträgt sie heute (25.09.2021) 111.662 pubmed-Einträge ([Link]), bei den Begriffen neurotropism und SARS-CoV-2 sind es „nur“ noch 218 ([Link]), welche innerhalb von zwei Jahren veröffentlicht wurden. Das macht es sehr schwer den Überblick zu behalten und die richtigen Paper auszuwählen. Daher ergeht schon mal hier die Bitte, wenn jemandem auffällt, dass hier eine entscheidende Arbeit nicht berücksichtig wurde, sagt bitte Bescheid (z.B. über die Kommentarfunktion).
Der Wunsch nach Exklusivität bei COVID-19
Es gibt aber noch ein Problem, nämlich dass das wir alle irgendwie das Gefühl zu haben scheinen, bei der SARS-CoV-2-Pandemie handele es sich um ein derart außergewöhnliches Ereignis, dass das Virus in seinen Eigenschaften und Krankheitsfolgen besonders außergewöhnlich und exklusiv sein müsste. Und das führt dazu, dass SARS-CoV-2 lauter Eigenschaften zugeschrieben werden, die vermutlich ganz und gar nicht exklusiv sind. Ich hatte das im Beitrag zum [Corona-Paper-Bullshit-Bingo] schon mal diskutiert. Aber das führt dann zu Erkenntnissen, wie dass ein Delir das erste Symptom von COVID-19 bei älteren Menschen sein kann. Dass das für jeden Infekt ganz gleich welcher Genese gilt, lernt jede und jeder nach spätestens zwei Wochen Tätigkeit in einer Notaufnahme. Dieses Zuschreiben eigentlich globaler Mechanismen bei (viralen) Infekten als etwas vermeintlich COVID-spezifisches macht es insgesamt verwirrender. Das mag aber zu einem relevanten Teil daran liegen, dass es für keinen einzigen Erreger diesen Fokus bei Forschung und Paper-Veröffentlichung gibt, so dass COVID-19 in Teilen mittlerweile besser verstanden sein dürfte, als viele andere Infektionserkrankungen.
EINE ANNÄHERUNG IN DREI TEILEN
Ich werde es ein wenig so machen, wie beim Long Covid-Beitrag, ich unterteile das ganze in mehrere (kürzere) Blogbeiträge. Teil 1 beschäftigt sich mit den Mechanismen, die man SARS-CoV-2 zuschreibt beim Thema Neurotropie, Teil 2 mit dem Themenkomplex Neurodegeneration und SARS-CoV-2 und in Teil 3 ziehe ich ein Fazit.